PI Vorbereitungen 19.08.2016 - Ein Flügel für Haiou Zhang

PRESSEMITTEILUNG vom 19.08.2016

Ein Flügel für Haiou Zhang
Vorbereitungen für Auftritt des Starpianisten laufen auf Hochtouren


Um 15.45 Uhr steht das Urteil fest. Akustik: Weltklasse. Vorhandener Flügel: leider ungeeignet. Unmissverständlich fällt das Fazit von Starpianist Haiou Zhang beim Ortstermin in der Walsroder Stadtkirche aus. Für das Konzert, das er dort am 26. August 2016 mit dem Geiger Christoph Seybold und den beiden Italienern von „Duettango“ geben wird, nahm er den Veranstaltungsort bereits im Mai persönlich in Augenschein. Dazu gehörte auch ein ausgiebiges Probespielen des hauseigenen Flügels. Beides ist wichtig, da die Akustik eines Konzertsaales und die Beschaffenheit des jeweiligen Konzertflügels den Anschlag des Pianisten und damit die gesamte Interpretation eines Musikstückes entscheidend beeinflussen. Die Ansprüche, die ein Klaviervirtuose an sein Instrument stellt, sind enorm: ein gleichmäßiger, niemals klirrender Klang wird dabei ebenso erwartet wie ein großer Dynamikumfang. Freilich werden auch besondere Anforderungen an den Tastenwiderstand und die Tastentiefe gestellt, die die Spielbarkeit maßgeblich beeinflussen.

Etwas neidisch schauen die Pianisten deshalb auf ihre Solistenkollegen, die ihre Instrumente – wenn auch manchmal mit einem gewissen Aufwand – selbst transportieren können. Der Pianist dagegen ist in der Regel darauf angewiesen, sich mit dem Instrument vor Ort zu arrangieren. Vergleichbare Flexibilität wird sonst eigentlich nur noch von Cembalisten und Organisten verlangt. Mancher Klavierstar behilft sich damit, dass er Aufzeichnungen über die verschiedenen Flügel, die ihm immer wieder auf den großen Podien der Welt begegnen, anfertigt. Andere – wie der inzwischen verstorbene exzentrische italienische Klavier-Altmeister Arturo Benedetti Michelangeli – reisten permanent mit eigenem Flügel und dazugehörigem Klaviertechniker.

Wem diese Möglichkeit nicht zur Verfügung steht, dem kann eine Klaviermanufaktur wie die C. Bechstein Pianofortefabrik helfen, deren Instrumente von Haiou Zhang wegen ihrer großen Farbpalette besonders geschätzt werden. Der Berliner Klavierbauer stellt seit 1853 Flügel und Klaviere der absoluten Spitzenklasse her. Und er vermietet sie auch. Mit beträchtlichem Aufwand wird dann eines dieser in bis zu 500 Arbeitsstunden angefertigten Instrumente, die in der Variante für große Bühnen fast drei Meter lang, über eine halbe Tonne schwer, und gerne um die 140.000 Euro teuer sind, in den Konzertsaal und danach wieder zurück in die Niederlassung des Klavierbauers transportiert. So geschehen etwa für das Konzert, das Haiou Zhang im vergangenen Jahr in der Hamburger Laeiszhalle gegeben hat (Foto).

Freilich darf man sich diesen Transport nicht so vorstellen, wie den „Zermürbenden Klaviertransport“ in Laurel und Hardys mit einem Oscar prämierten Kurzfilm „The Music Box“ von 1932. Vielmehr wird heute mit großer Sorgfalt und viel Know-how die kostbare Fracht an ihren Bestimmungsort gebracht. Wobei es mit dem Aufstellen auf dem Podium natürlich noch nicht getan ist. Denn im Anschluss erfolgt die Vorbereitung des Instruments durch den Konzerttechniker. Neben dem reinen Stimmen (Anpassen der Tonhöhe) nimmt dieser auch regelmäßig die Intonation (Angleichen der Klangfarben sämtlicher Töne) vor. Dabei zieht er die aus Filz bestehenden Hammerköpfe des Flügels leicht mit einer Sandpapierfeile ab, um einen gleichmäßigen Klang des Instrumentes zu erreichen. Die eigentliche Intonation des Flügels erfolgt dann im Anschluss durch Stechen in einzelne Bereiche des Hammerkopfes mit den sogenannten „Intoniernadeln“. Das so vorbereitete Instrument kann schließlich dem Pianisten für einen ersten Test zur Verfügung gestellt werden. Dabei hat der Künstler jedoch oftmals mit dem Umstand zu kämpfen, dass der volle Saal beim Konzert manchmal ganz anders klingt, als der leere Saal während der Probe. Zudem sind der Klang auf dem Podium und im Saal natürlich nicht identisch.

Nicht zuletzt die durch die heutige hochentwickelte Aufnahmetechnik verwöhnten Ohren der Zuhörer sind der Grund dafür, dass es für einen Pianisten immer weniger sinnvoll ist, ein Konzert auf einem ungeeigneten Instrument zu geben. Bereits der inzwischen von der Bühne abgetretene große Pianist und Musikschriftsteller Alfred Brendel stellte nämlich fest, dass den Satz „Es gibt keine schlechten Flügel, nur schlechte Pianisten“ nur ein als Klavierhändler verkleideter Teufel erfunden haben könne.

Deshalb wird sich Ende kommender Woche ein Transport von Hannover in die Walsroder Stadtkirche aufmachen, um mit einem Konzertflügel für das Konzert von Haiou Zhang & Friends optimale Voraussetzungen zu schaffen. Und wenn der Konzerttechniker dann kurz vor Konzertbeginn seine letzten Vorbereitungen abgeschlossen haben wird, steht dem Konzertgenuss in dem Kirchenraum mit der Weltklasse-Akustik hoffentlich nichts mehr im Wege.



Foto 20160818_Klaviertransport_KonzerthausBerlin (Foto: C. Bechstein):
Der Transport eines Konzertflügels - wie hier ins Konzerthaus Berlin - ist eine Angelegenheit für Spezialisten.

Foto 20160819_Haiou_Zhang_Laeisz-Halle_Hamburg (Foto: C. Bechstein):
Haiou Zhang bei ersten Tests des angelieferten Konzertflügels vor seinem Konzert in der traditionsreichen Hamburger Laeisz-Halle.

Foto 20160819_Konzerttechniker_Torben_Garlin_Berlin (Foto: C. Bechstein):
Zur Vorbereitung des Instrumentes für das Konzert in Hamburg reiste Konzerttechniker Torben Garlin eigens aus Berlin an.




Veranstaltung:
Sonderkonzert im Rahmen des International Music festival Buxtehude, Altes Land, Harburg.

Termin:
26. August 2016, 19.30 Uhr.

Veranstaltungsort:
St. Johannis-der-Täufer-Stadtkirche, Kirchplatz, 29664 Walsrode.

Interpreten:
Haiou Zhang, Klavier; Christoph Seybold, Violine;
„Duettango“ mit Cesare Chiacchiaretta, Akkordeon und Bandoneon; Filippo Arlia, Klavier.

Programm:
Werke u.a. von Astor Piazzolla und Gioachino Rossini.

Karten:
An den bekannten Vorverkaufsstellen und an der Abendkasse (15,- Euro pro Stück).



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http://www.callunaburg.de/index.php/auftakt/item/264-presse-download-19-08-2016-haiou-zhang

KONTAKT:
Tanja Kühne (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!), Telefon (05162) 98 15 78